Vom Hundenarr zum Hundetrainer
Wie der Hundling geformt wurde
Schon immer ein Hundenarr, war es nur eine Frage der Zeit, bis ich zum eigenen Hund kam. Aus dem romantischen Traum vom Leben mit Hund wurde ich jedoch schnell geweckt. Der damals 4-jährige Schäferhund-Mix Rocko, hat mir schnell gezeigt, dass es mehr braucht, als ein paar Bücher gelesen und hier und da etwas aufgeschnappt zu haben. Nach vielen Zwischenstationen mit noch mehr Lektüren und verschiedenen Hundeschulen, landete ich endlich an der richtigen Stelle. Der Hunde-Coach Wolfgang Siebel hat Rocko und mir über die Arbeit an der Basis und über Führungsqualität ein harmonischeres und entspannteres Zusammensein geschenkt.
Das hat mir eine neue Perspektive aufgezeigt. Ich wollte wissen wie und was ein Hund denkt und wie er die Welt wahrnimmt. So startete ich 2015 eine Ausbildung zum Hundeverhaltensberater bei der ATN, die ich mittlwerweile erfolgreich abgeschlossen habe. 2018 wurde ich nach §11 TierSchG vom Landratsamt Lindau als Hundetrainer geprüft und zugelassen. Während meiner Ausbildung durfte ich als Praktikantin beim „Hunde-Coach“ mitlaufen und mehr Praxiserfahrung sammeln. Dazu kommen verschiedene Seminare über die Körpersprache des Hundes (Daniela Endres), Lernen und Erziehung (Janna Krebs), Lernen und Erziehung (Wolfang Siebel), 1×1 der Hausordnung (Wolfgang Siebel), Gangbildanalyse (Dr. Zohmann), Warum Hunde uns zu besseren Menschen machen (Kurt Kotrschal) und diverse Online-Seminare (unter anderem mit Ute Blaschke-Berthold oder Gerrit Stephan als Dozenten).


Meine größten Lehrmeister jedoch sind die Hunde selber. Allen voran natürlich mein Herzstück Rocko. Des weiteren war ich 2016 bis 2021 Pflegestelle für die Zypernpfoten in Not e.V. und habe dabei ca 20 Hunden zu einem neuen Zuhause verholfen. Jeder Einzelne dieser Pflegehunde hat mich vor neue Herausforderungen gestellt und dabei viel gelehrt. Vom Angsthund über Hunde, die nicht wissen wie man zur Ruhe kommt, Hunde mit jagdlichen Ambitionen, Hunde die nie gelernt haben mit dem Menschen zu kooperieren und viele mehr.
Rocko hat mich 2022 im Oktober mit seinem Erbe zurückgelassen. Meine neuen Begleiter sind Lilo & Stitch.
Lilo hab ich 2019 mit 4 Monaten aus Zypern abgeholt. Sie ist mein Easy-Hund und eine tolle Unterstützung bei den Welpentreffs. Sie hat mich vorallem gelehrt, dass Akzeptanz ein wichtiges Puzzelstück im Zusammenleben mit Hunden ist. Sie sollte meine Erwartung erfüllen, dass kleine Hunde keine Kläffer sein müssen. Lilo ist ein Kläffer und umso mehr ich mich dagegen gewehrt hab, desto schlimmer wurde es. Erst über die Akzeptanz haben wir Fortschritte gemacht. Heute akzeptiere ich dass sie sich eben gerne selber hört.
Stitch ist ein Tibet-Terrier, der 2022 als 1-jähriger Teenie-Haudrauf bei uns eingezogen ist. Er hat seine Produktbeschreibung als Tibi genau gelesen und kann von 0 auf 180 in Sekundenbruchteilen explodieren, sich aber auch genau so schnell wieder abregen. Seine Skepsis gegenüber Fremden, gepaart mit einer niedrigen Hemmschwelle seine Zähne für ein „Nein“ ein zu setzen, waren genau die Herausforderung, die ich zu diesem Zeitpunkt gebraucht habe. Auch hier hat die Akzeptanz und die dadurch entstandene Souveränität uns beide zu einem guten Team geformt.
Vielleicht sollte ich das noch ergänzen: Ich akzeptiere nicht von Stitch gebissen zu werden, aber ich akzeptiere dass er das Potential dazu hat. Mittlerweile ist er aus der Teenie-Phase raus und baut nach und nach mehr Souveränität auf.


